Ihre Nase ist seit Monaten zu, Gerüche nehmen Sie kaum noch wahr und das Nasenspray aus der Apotheke verschafft höchstens für ein paar Stunden Luft? Häufig stecken dahinter Polypen: Nase und Nasennebenhöhlen sind dann von gutartigen Schleimhautwucherungen durchsetzt, die den Luftstrom blockieren. Viele Betroffene gewöhnen sich jahrelang an die Mundatmung, bevor sie die Ursache abklären lassen.
In diesem Ratgeber erfahren Sie, woher Nasenpolypen kommen, an welchen Symptomen Sie sie erkennen und wie die Diagnose abläuft. Außerdem lesen Sie, was Kortison leisten kann, wann eine Operation sinnvoll ist und welche Rolle die neuen Antikörper-Medikamente spielen. Die Inhalte stammen aus der Praxis von Dr. Peter Stapper, HNO-Facharzt in Bad Neuenahr.
Das Wichtigste in Kürze
- Nasenpolypen sind gutartige Wucherungen der Schleimhaut und keine Tumoren.
- Ausgangspunkt sind meist die Nasennebenhöhlen, vor allem das Siebbein. Von dort wachsen die Polypen in die Nasenhaupthöhle.
- Leitsymptome: dauerhaft verstopfte Nase, nachlassender Geruchssinn, Druckgefühl und zähes Sekret.
- Die Diagnose erfolgt per Nasenendoskopie, vor einer Operation ergänzt durch ein CT.
- Die Behandlung folgt einer Stufentherapie: Kortison-Nasenspray, bei Bedarf Kortisontabletten, Operation und bei schweren Verläufen Biologika.
- Polypen neigen zu Rückfällen, deshalb gehört eine konsequente Nachsorge dazu.
Was sind Nasenpolypen?
Nasenpolypen sind gutartige Ausstülpungen der Schleimhaut. Sie sehen glasig-grau bis blassgelb aus, sind weich und hängen oft wie kleine Trauben an einem Stiel. Schmerzempfindlich sind sie nicht, weshalb viele Betroffene sie lange nicht bemerken. Die Cochrane Collaboration beschreibt sie als häufige, gutartige Schwellungen der Nasenschleimhaut, die bei manchen Menschen keinerlei Beschwerden verursachen, bei anderen die Nase vollständig verlegen.
Entstehungsort sind meist das Siebbein und die Kieferhöhlen, also Teile der Nasennebenhöhlen. Erst wenn die Polypen größer werden, wachsen sie in die Nasenhaupthöhle hinein und werden dort beim Blick mit dem Endoskop sichtbar.
Wichtig ist die Abgrenzung bei Kindern: Wenn Eltern von „Polypen“ sprechen, meinen sie in aller Regel die vergrößerte Rachenmandel (Adenoide) hinter der Nase. Diese gehört zum lymphatischen Gewebe und hat mit echten Nasenpolypen nichts zu tun. Echte Polypen der Nase sind bei Kindern selten.
Typisch für chronische Polypen ist ein beidseitiger Befund. Polypen auf nur einer Seite der Nase gelten als untypisch und werden immer genauer untersucht.
Ursachen für Polypen in der Nase
Die wichtigste Nasen-Polypen-Ursache ist eine chronische Rhinosinusitis, also eine dauerhafte Entzündung der Nasen- und Nebenhöhlenschleimhaut. Die deutsche S2k-Leitlinie Rhinosinusitis unterscheidet dabei die Form ohne und die Form mit Polypen. Bei der zweiten Form schwillt die Schleimhaut so stark an, dass sich Wasser im Gewebe einlagert und Polypen entstehen.
Bei den meisten Erwachsenen in Europa liegt eine sogenannte Typ-2-Entzündung zugrunde. Dabei sind bestimmte Immunzellen, vor allem eosinophile Granulozyten, und Botenstoffe wie Interleukin-4, -5 und -13 vermehrt aktiv. Diese Entzündungsform erklärt, warum Kortison oft gut wirkt und warum die neuen Biologika gezielt an diesen Botenstoffen ansetzen.
Mehrere Begleiterkrankungen treten gehäuft mit Nasenpolypen auf:
- Asthma bronchiale: Ober- und Unterwege der Atmung teilen sich die gleiche Schleimhautart. Eine Entzündung in der Nase und eine in den Bronchien beeinflussen sich gegenseitig.
- Allergien: Ein Zusammenhang wird seit Langem diskutiert. Er ist weniger eindeutig als beim Asthma, eine Allergie kann die Schleimhautschwellung aber verstärken.
- Analgetika-Intoleranz: Manche Menschen reagieren auf Acetylsalicylsäure und verwandte Schmerzmittel mit Atemnot oder verstopfter Nase. Kommen Asthma und Polypen dazu, sprechen Fachleute von einer Analgetika-Intoleranz mit Polyposis, die besonders rückfallfreudig ist.
- Mukoviszidose: Treten bei Polypen-Nase-Kindern echte Nasenpolypen auf, gehört die Erbkrankheit Mukoviszidose zu den Ursachen, die abgeklärt werden sollten.
Warum manche Menschen Polypen entwickeln und andere mit ähnlicher Vorgeschichte nicht, ist bis heute nicht vollständig geklärt. Die Forschung untersucht unter anderem Biomarker in Nasensekret und Blut, die vorhersagen sollen, wer auf welche Therapie anspricht. Ein Beispiel ist eine im Deutschen Register Klinischer Studien eingetragene Untersuchung zu solchen Biomarkern unter laufender Therapie. Auch am Vienna Airway Lab der Medizinischen Universität Wien wurden Langzeitverläufe bei chronischer Rhinosinusitis mit Nasenpolypen untersucht.
Ständig Nase dicht? Wann eine OP helfen kann
Nicht jede verstopfte Nase braucht eine Operation, und nicht jeder Polyp muss heraus. Die Leitlinie sieht zuerst eine konsequente medikamentöse Behandlung vor. Eine Operation kommt ins Spiel, wenn diese Behandlung über einen ausreichend langen Zeitraum nicht genug hilft.
Typische Situationen, in denen konservative Therapie an ihre Grenzen stößt:
- Die Nase bleibt trotz regelmäßig angewendetem Kortison-Nasenspray dicht.
- Kortisontabletten werden immer wieder benötigt, um überhaupt Luft zu bekommen.
- Der Geruchssinn kehrt nicht zurück.
- Es kommt wiederholt zu akuten Nebenhöhlenentzündungen.
- Die Polypen sind so groß, dass das Spray die Schleimhaut gar nicht mehr erreicht.
Häufig sind Polypen nicht die einzige Engstelle. Eine verkrümmte Nasenscheidewand (Septumdeviation) oder vergrößerte Nasenmuscheln verengen den Atemweg zusätzlich. Werden nur die Polypen entfernt, bleibt die Nasenatmung dann trotzdem eingeschränkt. Deshalb wird vor jeder Operation die gesamte innere Nase beurteilt. Ist das Septum schief, lässt sich eine funktionelle Nasenoperation mit Begradigung der Nasenscheidewand in derselben Narkose mit der Nasennebenhöhlenchirurgie verbinden.
Nasenpolypen Symptome
Die Polypen-Nase-Symptome entwickeln sich meist schleichend über Monate oder Jahre. Gerade weil sie nicht wehtun, werden sie lange einem hartnäckigen Schnupfen oder einer Allergie zugeschrieben.
Behinderte Nasenatmung: Das häufigste Zeichen ist eine Nase, die auf beiden Seiten dauerhaft zu ist. Anders als bei einem Infekt bessert sich das Gefühl nicht nach ein bis zwei Wochen. Viele weichen auf Mundatmung aus, was zu trockenem Mund und Halsschmerzen am Morgen führt.
Riechstörung: Ein nachlassender oder fehlender Geruchssinn ist besonders typisch für Polypen. Die Riechschleimhaut liegt im oberen Teil der Nase, genau dort, wo Polypen aus dem Siebbein hervorwachsen. Da Riechen und Schmecken eng zusammenhängen, schmeckt auch das Essen fade.
Schnarchen und Schlafprobleme: Eine verlegte Nase erhöht den Atemwiderstand in der Nacht. Schnarchen, unruhiger Schlaf und Tagesmüdigkeit sind die Folge. Was bei nächtlichem Schnarchen grundsätzlich hilft, beschreibt der Beitrag Schnarchen, was tun?.
Druckgefühl: Viele Betroffene beschreiben ein dumpfes Völlegefühl im Bereich von Stirn, Nasenwurzel oder Wangen.
Sekretfluss: Zähes Sekret läuft nach vorn aus der Nase oder hinten in den Rachen. Das ständige Räuspern wird oft als lästiger empfunden als die verstopfte Nase selbst.
Kopfschmerzen: Diese treten vor allem auf, wenn Nebenhöhlen nicht mehr belüftet werden und sich Sekret staut.
Zwei Befunde passen nicht zum typischen Bild und gehören zeitnah in fachärztliche Hände. Nasen-Polypen-Nasenbluten ist ungewöhnlich, weil gewöhnliche Polypen kaum bluten. Wiederholtes Bluten aus einer Nasenseite kann auf eine andere Gewebeveränderung hinweisen. Ebenso gilt: Polypen der Nase auf nur einer Seite werden immer abgeklärt, denn hinter einem einseitigen Befund kann sich neben einem harmlosen Choanalpolypen auch ein invertiertes Papillom oder selten ein bösartiger Tumor verbergen.
Checkliste Nasenpolypen-Symptome
Die folgende Übersicht trennt typische Beschwerden von Warnzeichen, die eine rasche Untersuchung erfordern.
Typisch oder Warnsignal: so lässt sich unterscheiden
Typische Beschwerden bei Nasenpolypen:
- Nasenatmung beidseits über Wochen eingeschränkt
- Geruchs- und Geschmackssinn deutlich schwächer
- Schnarchen, nächtliche Mundatmung, Tagesmüdigkeit
- Druck- oder Völlegefühl im Gesicht
- Zähes Sekret, das nach vorn oder in den Rachen läuft
Warnzeichen, die zeitnah ärztlich abgeklärt werden sollten:
- Verstopfung oder Polypen nur auf einer Nasenseite
- Wiederholtes Nasenbluten, besonders einseitig
- Schwellungen im Gesicht, Sehstörungen oder starke Schmerzen
Nasenpolypen werden oft endoskopisch diagnostiziert
Am Anfang steht ein ausführliches Gespräch. Gefragt wird nach Dauer und Seite der Beschwerden, nach Asthma, Allergien, Reaktionen auf Schmerzmittel und bisherigen Behandlungen. Auch die Frage, wie oft abschwellende Nasensprays genutzt werden, gehört dazu, weil ein Dauergebrauch die Schleimhaut zusätzlich schädigt.
Das zentrale Verfahren ist die Nasenendoskopie. Ein dünnes, starres Endoskop mit Optik wird nach örtlicher Betäubung in die Nase eingeführt. So lassen sich auch tiefer liegende Polypen erkennen, die mit bloßem Auge nicht sichtbar sind. Größe und Ausdehnung werden dokumentiert, damit spätere Kontrollen vergleichbar sind.
Ergänzende Untersuchungen
- Riechtest: Mit standardisierten Duftstiften wird geprüft, wie stark der Geruchssinn eingeschränkt ist. Das Ergebnis dient auch als Verlaufskontrolle unter Therapie.
- Allergietest: Ein Haut-Pricktest oder eine Blutuntersuchung zeigt, ob eine Allergie die Entzündung verstärkt. Für diese Abklärung steht in der Praxis die Allergologie zur Verfügung.
- CT der Nasennebenhöhlen: Eine Computertomografie wird vor allem vor einer geplanten Operation angefertigt. Sie zeigt, welche Nebenhöhlen betroffen sind und wie die anatomischen Strukturen verlaufen.
- Gewebeprobe: Bei einseitigem Befund ist eine feingewebliche Untersuchung Pflicht. Bei beidseitigen Polypen wird operativ entferntes Gewebe in vielen Kliniken routinemäßig untersucht. Eine Auswertung zur Routine-Histologie beidseitiger Polypen kam zu dem Ergebnis, dass diese zwar selten neue Befunde liefert, aber keine überzeugenden Gründe bestehen, darauf zu verzichten.
Therapiemöglichkeiten bei Nasenpolypen
Die Behandlung folgt einer Stufentherapie. Begonnen wird mit der am wenigsten belastenden Maßnahme, gesteigert wird nur, wenn die Beschwerden bleiben. Dabei ersetzen höhere Stufen die niedrigeren nicht: Auch nach einer Operation laufen Spülungen und Nasenspray meist weiter.
Stufe | Maßnahme | Wann sinnvoll |
1 | Nasenspülung mit Salzlösung | Begleitend in jeder Phase |
2 | Kortison-Nasenspray | Basistherapie bei nachgewiesenen Polypen |
3 | Kurzzeitig Kortisontabletten | Bei ausgeprägten Beschwerden, zeitlich begrenzt |
4 | Endoskopische Operation | Wenn medikamentöse Therapie nicht ausreicht |
5 | Biologika | Bei schwerem Verlauf trotz Kortison und/oder Operation |
Nasenspülungen mit isotoner oder leicht hypertoner Salzlösung reinigen die Schleimhaut von Sekret, Krusten und Allergenen. Sie verbessern das Gefühl in der Nase und helfen dem Kortison-Spray, besser an die Schleimhaut zu gelangen.
Bei der Suche nach Nasen-Polypen-Hausmitteln tauchen neben der Salzspülung auch Inhalationen mit Wasserdampf, ätherische Öle oder Kräutermischungen auf. Realistisch eingeordnet gilt: Spülungen und Dampfinhalationen lindern Symptome, lassen Polypen aber nicht verschwinden. Ätherische Öle können empfindliche Schleimhäute reizen. Hausmittel sind eine sinnvolle Ergänzung, ersetzen bei echten Polypen jedoch keine fachärztliche Behandlung.
Ebenso wichtig ist die Behandlung der Begleiterkrankungen. Ein schlecht eingestelltes Asthma oder eine unbehandelte Allergie halten die Entzündung in Gang. Bei Analgetika-Intoleranz wird besprochen, welche Schmerzmittel vertragen werden. In einer älteren Studie verbesserte der Wirkstoff Montelukast, der bei Asthma eingesetzt wird, die Lebensqualität von Polyposis-Betroffenen in vier von sechs Symptomgruppen. Ob er im Einzelfall infrage kommt, wird individuell entschieden.
Behandlung mit Kortison
Das Kortison-Nasenspray ist die Basistherapie bei Nasenpolypen. Es hemmt die Entzündung direkt in der Schleimhaut, lässt kleinere Polypen schrumpfen und verbessert Nasenatmung und Geruchssinn. Moderne Präparate wirken überwiegend lokal und gehen nur in sehr geringer Menge ins Blut über.
Die Wirkung setzt nicht sofort ein. Spürbare Besserungen zeigen sich erst nach einigen Wochen regelmäßiger Anwendung. Wer das Spray nach wenigen Tagen absetzt, weil sich nichts tut, verschenkt den Effekt. Da die Entzündung chronisch ist, wird das Spray in der Regel dauerhaft angewendet, oft über Jahre.
Davon zu unterscheiden sind abschwellende Nasensprays mit Wirkstoffen wie Xylometazolin. Sie verschaffen schnell Luft, bekämpfen aber nicht die Entzündung und führen bei Dauergebrauch zur Gewöhnung. Für Polypen sind sie keine Behandlung.
Bei ausgeprägten Beschwerden kann eine Kortison-Stoßtherapie für wenige Tage verordnet werden. Die Polypen schrumpfen dann oft deutlich, die Nase wird frei und der Geruchssinn kehrt zeitweise zurück. Der Effekt hält aber meist nur begrenzt an. Wegen möglicher Nebenwirkungen auf Blutzucker, Blutdruck, Knochen, Magen und Schlaf wird die Zahl solcher Zyklen pro Jahr bewusst niedrig gehalten.
Auch das Spray hat Grenzen. Bei großen Polypen erreicht es die tieferen Schleimhautbereiche kaum. Mögliche Nebenwirkungen sind trockene Schleimhaut, Krustenbildung und leichtes Nasenbluten. Richtig angewendet, mit Sprühstoß Richtung äußerer Nasenwand und nicht auf die Nasenscheidewand, lassen sich diese Effekte meist vermeiden.
Nasenpolypen operativ entfernen
Bei der Polypen-Nase-Operation handelt es sich heute fast immer um eine endoskopische Nasennebenhöhlenchirurgie. Der Eingriff erfolgt vollständig durch die Nasenlöcher, äußere Schnitte sind nicht nötig. Ein Cochrane-Review zum Vergleich von Operation und medikamentöser Therapie zeigt, dass beide Wege ihren Platz haben. Entscheidend ist die Abwägung im Einzelfall.
Indikationen für eine Operation sind vor allem anhaltende Beschwerden trotz konsequenter medikamentöser Therapie, häufig benötigte Kortisontabletten, wiederkehrende Nebenhöhlenentzündungen und unklare oder einseitige Befunde, die histologisch gesichert werden müssen.
Ablauf: Unter Sicht des Endoskops werden die Polypen mit feinen Instrumenten oder einem Shaver abgetragen. Anschließend werden die engen Zugänge zu den Nebenhöhlen erweitert, damit Sekret abfließen kann und Spülungen sowie Kortison-Spray später an die Schleimhaut gelangen. Das CT dient dabei als Landkarte.
Narkose: Der Eingriff findet in der Regel in Vollnarkose statt.
Die Polypen-Nase-OP bei Erwachsenen unterscheidet sich deutlich von den Eingriffen, die bei Kindern unter dem Stichwort „Polypen“ laufen. Bei Kindern ist meist die Entfernung der vergrößerten Rachenmandel gemeint, ein kurzer Eingriff, der häufig ambulant erfolgt. Echte Nasenpolypen bei Kindern werden nur nach gründlicher Ursachenabklärung operiert, etwa im Rahmen einer Mukoviszidose.
Klinikaufenthalt: Nach einer Nasennebenhöhlenoperation bleiben Erwachsene meist für einen kurzen stationären Aufenthalt in der Klinik. Die Dauer hängt vom Umfang des Eingriffs und vom Heilungsverlauf ab. Informationen zum Eingriff selbst bietet die Leistungsseite zur Nasennebenhöhlen-OP.
Nachsorge: In den ersten Wochen bilden sich Krusten, die bei Kontrollterminen schonend entfernt werden. Täglich gespült wird mit Salzlösung. Sobald die Schleimhaut es zulässt, wird das Kortison-Spray wieder aufgenommen.
Rezidivrisiko: Eine Operation beseitigt die Polypen, nicht aber die zugrunde liegende Entzündung. Polypen können deshalb wiederkommen. Das Risiko ist bei Asthma und Analgetika-Intoleranz höher. Eine konsequente Erhaltungstherapie senkt es.
Kombination mit Septumplastik: Ist die Nasenscheidewand verbogen, wird sie häufig im selben Eingriff begradigt. Das verbessert die Atmung und erleichtert den Zugang für Nachsorge und Nasenspray.
Ablauf der Nasenpolypen-OP in 5 Schritten
Von der ersten Untersuchung bis zur Langzeitbetreuung durchläuft eine Polypen-Operation mehrere aufeinander aufbauende Phasen.
Fünf Phasen von der Planung bis zur Langzeitbetreuung
- Diagnostik: Nasenendoskopie, Riechtest und gegebenenfalls Allergietest klären Ausmaß und Begleiterkrankungen.
- OP-Planung per CT: Die Computertomografie zeigt betroffene Nebenhöhlen und anatomische Besonderheiten.
- Endoskopischer Eingriff: In Vollnarkose werden die Polypen durch die Nasenlöcher entfernt und die Nebenhöhlenzugänge erweitert, bei Bedarf kombiniert mit einer Septumplastik.
- Nachsorge: Regelmäßige Kontrollen mit Krustenreinigung, dazu tägliche Salzwasserspülungen.
- Erhaltungstherapie: Das Kortison-Nasenspray wird langfristig weiter angewendet, um einem Rückfall vorzubeugen.
Neue Medikamente gegen Nasenpolypen
Für Menschen mit schwerer chronischer Rhinosinusitis mit Nasenpolypen, bei denen Kortison und Operation nicht ausreichen, gibt es seit einigen Jahren eine weitere Option: Biologika. Dabei handelt es sich um monoklonale Antikörper, also biotechnologisch hergestellte Eiweiße, die gezielt einzelne Bausteine der Entzündung blockieren.
Das Wirkprinzip richtet sich gegen die Typ-2-Entzündung. Je nach Wirkstoff fangen die Antikörper bestimmte Botenstoffe ab oder besetzen deren Andockstellen. Der Entzündungsprozess, der die Polypen nährt, wird so an der Wurzel gebremst. Für den Wirkstoff Dupilumab berichtete die Ärzte Zeitung über zwei Studien, in denen das Medikament die Größe der Nasenpolypen, den Schweregrad der Nasenverstopfung und den Bedarf an systemischem Kortison verringerte. Inzwischen sind mehrere Antikörper verfügbar. Eine Netzwerk-Metaanalyse hat die Wirksamkeit von vier monoklonalen Antikörpern bei Nasenpolypen miteinander verglichen.
Biologika sind keine Ersttherapie. Die Voraussetzungen für ihren Einsatz sind in einem eigenen Leitlinienkapitel zur Therapie mit monoklonalen Antikörpern beschrieben. In der Regel kommen sie infrage, wenn
- beidseitige Polypen mit schwerem Krankheitsbild vorliegen,
- die Beschwerden trotz Kortison-Nasenspray und wiederholter Kortisontabletten nicht ausreichend kontrolliert sind,
- bereits eine Operation stattgefunden hat oder eine Operation nicht möglich ist,
- Hinweise auf eine Typ-2-Entzündung bestehen, etwa durch Begleitasthma.
Die Verabreichung erfolgt per Spritze unter die Haut, in festen Abständen. Nach einer Einweisung können viele Betroffene sich die Injektionen selbst geben. Ob das Medikament anschlägt, wird nach einer festgelegten Zeit anhand von Polypengröße, Nasenatmung, Geruchssinn und Lebensqualität überprüft. Bleibt die Wirkung aus, wird die Therapie beendet oder gewechselt.
Die Forschung entwickelt sich schnell. Ein Bericht der Apotheken Umschau stellte eine Studie vor, nach der ein langwirksames Biologikum mit deutlich selteneren Injektionen auskommen könnte. Offen bleibt, wie lange Biologika eingenommen werden müssen und was nach dem Absetzen passiert. Das Deutsche Ärzteblatt hat die Präparate in einem Übersichtsbeitrag auf den Prüfstand gestellt. Wegen der hohen Kosten und der Langzeitanwendung ist die Entscheidung für ein Biologikum immer eine sorgfältige Einzelfallabwägung.
Experten-Tipp von Dr. Peter Stapper
„Wenn Ihre Nase länger als einige Wochen auf beiden Seiten verstopft ist oder Ihr Geruchssinn nachlässt, lassen Sie das bitte frühzeitig endoskopisch abklären. Je eher wir Polypen erkennen, desto häufiger reichen Spray und Spülungen aus.
Mein wichtigster Rat betrifft das Kortison-Nasenspray: Wenden Sie es konsequent und dauerhaft an, auch wenn es Ihnen gut geht und auch nach einer Operation. Die meisten Rückfälle sehe ich bei Patienten, die das Spray nach einigen beschwerdefreien Monaten weggelassen haben. Nehmen Sie außerdem die Nachsorgetermine wahr. So erkennen wir neu wachsende Polypen, bevor sie Ihnen wieder die Luft nehmen.“
Dr. Peter Stapper, Facharzt für Hals-Nasen-Ohrenheilkunde
Beratung bei Nasenpolypen in Bad Neuenahr
Sie bekommen schon lange schlecht Luft durch die Nase oder haben Ihren Geruchssinn verloren? In der Praxis von Dr. Stapper in Bad Neuenahr-Ahrweiler werden Ihre Beschwerden gründlich untersucht und Sie erhalten eine Empfehlung, welche Therapiestufe für Sie passt. Ist eine Operation nötig, übernimmt Dr. Stapper Eingriff und Nachsorge persönlich. Er bringt über 25 Jahre Erfahrung in der Nasenchirurgie und mehr als 10.000 durchgeführte Nasen-OPs mit. Operiert wird auch in Bonn in der Moser Klinik. Vereinbaren Sie Ihren Termin telefonisch unter +49 2641 9166119.
Häufige Fragen zu Polypen Nase
Wie merkt man, dass man Polypen in der Nase hat?
Typisch ist eine Nase, die über Wochen auf beiden Seiten verstopft bleibt, dazu ein nachlassender Geruchssinn, Druckgefühl im Gesicht und zähes Sekret. Sicher feststellen lassen sich Polypen nur durch eine Nasenendoskopie beim HNO-Arzt.
Wie bekommt man Polypen in der Nase weg?
Kleine Polypen schrumpfen oft unter einem regelmäßig angewendeten Kortison-Nasenspray, unterstützt durch Salzwasserspülungen. Größere Polypen werden endoskopisch entfernt. Bei schweren, wiederkehrenden Verläufen kommen Biologika infrage. Hausmittel lindern Beschwerden, beseitigen Polypen aber nicht.
Wann müssen Polypen in der Nase entfernt werden?
Eine Operation ist sinnvoll, wenn die medikamentöse Therapie über einen ausreichenden Zeitraum nicht hilft, immer wieder Kortisontabletten nötig sind oder wiederholt Nebenhöhlenentzündungen auftreten. Einseitige oder unklare Befunde werden entfernt und feingeweblich untersucht.
Sind die Polypen in der Nase gefährlich?
Nasenpolypen sind gutartig. Solche Polypen können aber die Lebensqualität deutlich einschränken, Schlaf und Geruchssinn beeinträchtigen und Asthma verschlechtern. Einseitige Polypen oder Nasenbluten sollten immer abgeklärt werden, weil sich dahinter selten eine andere Gewebeveränderung verbergen kann.
Wie lange muss man nach einer Nasenpolypen-OP im Krankenhaus bleiben?
Nach einer endoskopischen Nasennebenhöhlenoperation ist meist ein kurzer stationärer Aufenthalt von wenigen Tagen üblich. Die genaue Dauer hängt vom Umfang des Eingriffs, von Begleiterkrankungen und vom Heilungsverlauf ab.